Internationaler Wettbewerb für junge Flötistinnen und Flötisten

Die Deutsche Gesellschaft für Flöte e.V. hebt ein Nachwuchsprojekt aus der Taufe!

Die Deutsche Gesellschaft für Flöte e.V. initiiert schon seit über 30 Jahren Projekte zur Förderung des musikalischen Nachwuchses im Kulturland Deutschland, speziell für das Instrument Querflöte. Die Orchesterlandschaft in Deutschland gilt als immaterielles Kulturerbe der Menschheit und ist in ihrer Dichte und Vielfalt einzigartig. Etwa die Hälfte aller Opernhäuser der Welt befinden sich in Deutschland und schätzungsweise sieben Millionen Menschen musizieren in ihrer Freizeit. Hier liegt ein riesiges Potential an Musizierfreude und Leistungsbereitschaft. Die Deutsche Gesellschaft für Flöte e.V. (DGfF) hat daher erstmalig in Deutschland einen Wettbewerb zur Nachwuchsförderung ausgerichtet. Am 9./10. Juni 2018 fand in Wetzlar an der Lahn der „Internationale Wettbewerb für junge Flötistinnen und Flötisten statt. Mit fast 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der ganzen Welt, die auf überdurchschnittlich hohem Spielniveau musizierten, war der Wettbewerb ein voller Erfolg. Die jungen Flötistinnen und Flötisten im Alter zwischen 12 und 21 Jahren kamen aus Deutschland, Österreich, Schweden, Polen, Italien, China, Russland, der Ukraine und der Schweiz.

Viele der Teilnehmer hatten abenteuerliche und lange Anreisen auf sich genommen um an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Das kleine verträumte Goethe-Städtchen Wetzlar an der Lahn platzte an diesem sommerlich warmen Wochenende aus allen Nähten. Fast alle Unterkünfte waren ausgebucht, um die Vielzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer samt ihren Familien und Lehrern aufzunehmen. Wetzlar war für 48 Stunden im Flötenfieber! Aufregend war es! Nicht nur für die Teilnehmer, auch für die international besetzte 6-köpfige Jury, die zwei volle Tage lang sehr aufmerksam den 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gelauscht hat, um am Ende der Wertungstage jedem einzelnen ein individuelles Feedback zu geben. Die Jury: Lars Asbjørnsen, Deutschland/Norwegen; Britta Bauer, Österreich; Qiling Chen, Schweiz/China; Ewa Murawska, Polen; Carina Vogel, Deutschland; Ruth Wentorf, Deutschland.

Die in 3 Altersgruppen eingeteilten Flötistinnen und Flötisten konnten sich in 2 Runden mit ihren erarbeiteten Werken präsentieren. Einige Teilnehmerinnen hatten ihre eigenen Pianisten mitgebracht, oft waren es sogar Mutter oder Vater, die am Klavier begleitet haben. Die Deutsche Gesellschaft für Flöte e.V. hatte für den Wettbewerb aber auch zwei ausgezeichnete professionelle Korrepetitorinnen engagiert: Patrycja Chalupnik aus Lodz, Polen und Seoung-eun Cha von der Musikhochschule Mannheim. Die beiden Pianistinnen haben an dem Wochenende wahre Hochleistungsarbeit geboten! Die Wertungsspiele waren gut besucht und die Gäste konnten in allen Altersgruppen ein sehr anspruchsvolles flötistisches Niveau erleben.

Doch was wäre ein Wettbewerb ohne Preise! Die Anerkennung der gezeigten Leistung ist kostbar und für ein solches Projekt braucht es kompetente Unterstützung. Wir sind sehr froh und dankbar, großzügige Sponsoren als Partner im Hintergrund zu haben: Harry Gosse, Flötenbauer Neureiter aus Tirol, Musik Bertram in Freiburg, Viento, AZUMI, Altus, Anton Braun, Holzblasinstrumente Michael Dürk, Nuvo Flöten, Breitkopf & Härtel, Musikverlag Doblinger, Flutissimo, Universal Edition (UE) Wien, Jupiter und der Bildungsanker Schweiz. Durch großzügige Zuwendungen, Geldspenden und Notengutscheine war es möglich, die Gewinner des Wettbewerbs in besonderer Weise auszuzeichnen.

Die Preisträger:

Altersstufe I (12-14 Jahre):
1.Preis: Zofia Plaziuk, Polen
1.Preis: Yaroslav Vodovozov, Ukraine
2.Preis: Nina Podkościelna, Polen
2.Preis: Nane Schulz, Deutschland
3.Preis: Matilde Navarri, Deutschland

Altersstufe II (15-17 Jahre):
1.Preis: Cristian Lombardi, Italien
2.Preis: Kelar Frank, Deutschland
2.Preis: Viktor Petroff Miranda, Deutschland
3.Preis: Su Huilin, China
3.Preis: Ye Yanghan, China

Altersstufe III (18-21 Jahre):
2.Preis: Karolina Karczewska, Polen
3.Preis: Anna Berezina, Russland

Fabian Johannes Egger erhielt den Sonderpreis „Young Talent“ für seine besonders herausragenden Leistungen, obgleich er mit 11 Jahren noch unter dem Alterslimit des Wettbewerbs lag. Alle ersten Preisträger und Sonderpreisträger sind eingeladen, sich bei den „Flute Days“ am 12./13. Januar 2019 in der Musikhochschule in München, den die DGfF anlässlich des 90. Geburtstages von Peter Lukas Graf ausrichtet, noch einmal zu präsentieren. Auch werden sie in einem Konzert der „Rising Stars“ auf dem Internationalen Flöten Festival 2020 zu hören sein. Zudem werden interessierte Leser sie in den kommenden Ausgaben der „Flöte aktuell“ im Portrait vorgestellt wiederfinden.

Ziel jedes Wettbewerbes ist natürlich ein Leistungsvergleich. An dem Wochenende in Wetzlar ging es aber nicht nur darum den jungen Musikerinnen und Musikern eine Plattform zu geben, ihre Leistungen zu zeigen, sondern auch darum sich zu vernetzen, mit einander ins Gespräch zu kommen, Kontakte zu knüpfen und neuen Input aus der Welt der Flöte zu erhalten. Vor diesem Hintergrund möchten wir herzlich unseren Ausstellern Flutissimo (Bernd Wysk mit seinem Team), Viento, Altus, Nuvo und AZUMI danken, die mit einer fabelhaften Flötenausstellung zum Ausprobieren und Testen neuer Klänge eingeladen und somit zum Austausch angeregt und den Wettbewerb um ein inspirierendes Begleitprogramm bereichert haben.

Ein weiteres Highlight war ohne Zweifel das von Elisabeth Weinzierl (Musikhochschule München) geleitete Flötenorchester! An zwei Tagen wurde zwischen den Wertungsspielen geprobt. Ein großer Dank geht an Elisbeth Weinzierl, die mit pädagogischem Geschick das großartige Erlebnis möglich gemacht hat, gemeinsam mit 60 Jugendlichen aus der ganzen Welt im Orchester Musik zu machen. Das historische Gebäude der Musikschule inmitten des romantisch verträumten Wetzlar bot einen stimmungsvollen Rahmen für dieses Flöten- Wochenende. In dem Gebäude aus dem 18 Jh. sind die Räume knapp und so war es eine logistische Meisterleistung, dort einen funktionierenden Plan für Probe – Einspiel – und Wertungszeiten zu generieren. Ein großer Dank geht an Anna-Denise Rheinländer und Leonie Janka für das Organisationsmanagement.

Das von den Temperaturen her hochsommerliche und aufregende Flötenwochenende in Wetzlar fand seinen Höhepunkt mit der Preisverleihung am Sonntagnachmittag. Das Flötenorchester unter der Leitung von Elisabeth Weinzierl hat die Preisverleihung umrahmt und bei dem von der Vorsitzenden der DGfF Ruth Wentorf moderierten Abschlusskonzert durften ausgewählte Preisträger noch einmal ihre Siegerstücke präsentieren. Der erste Internationale Wettbewerb für junge Flötistinnen und Flötisten ausgerichtet von der Deutschen Gesellschaft für Flöte e.V. war in der Rückschau ein großer Erfolg, der fortgesetzt werden will. Der Wettbewerb wird als Biennale geführt und wir freuen uns aus ein Wiedersehen im Jahr 2020!

Text: Britta Bauer / Vorstandsmitglied der DGfF